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Zehra Çirak

Wenn Sprache mit dem Bild flaniert

Aspach "Wo eine Welt in der die Welt keinen Platz findet / Höllenträume in den kleinsten Hütten sich breit gemacht / und das Rauschen eines friedlichen Baches die Ohren betäubt...", so beginnt das Gedicht "Da fließt Hieronymus Bosch" von Zehra Çirak. Nachdenkliches, Kritisches und Heiteres in sprachlichen Bildern gesellte die Lyrikerin zu Arbeiten des Objektkünstlers Jürgen Walter, ihres Ehemanns.

Die Performance "Kleine Altäre" in Professor Pröpstls Puppentheater in Großaspach war eine Verbeugung vor Malern aus fünf Jahrhunderten. Von A bis Z. Von Antes, über Goya, bis Zimmermann.

"Ein Dank für Anregung und empfundene Begeisterung", sagten beide, die in Berlin leben und arbeiten. Wer aber meinte, es sei eine literarische Danksagung, sah sich zweien gegenüber, denen die Strukturen menschlichen Lebens wohl bekannt und vertraut sind. Die sie aber mit Humor zu nehmen wissen und immer wieder neu auszudrücken vermögen.

Sie machten es dem Publikum freilich nicht leicht. Zu vielschichtig sind ihrer beider Werke. Denn wo Sprache und Bild, Wort und Objekt gemeinsam flanieren, ist die Trennung zwischen Witz und Sarkasmus kaum nachvollziehbar. Wenn zwei Künstler ihre breite Spanne an Variationen und Veränderungen, die zwischen ihrem Schaffen liegt, ausbreiten, ist jedes Bekannte dabei oft ein dankbarer Strohhalm.

Zehra Çirak und Jürgen Walter

Aber das kann in die Irre führen. Zehra Çirak reagiert mit ihren Gedichten entweder auf den jeweiligen Maler wie bei Hieronymus Bosch. Oder auf das entsprechende Objekt wie bei Laokoon. Ein Gebilde, das von Jürgen Walter in freier Assoziation nach einem Detail des gleichnamigen Gemäldes von El Greco gebaut wurde. Eine kopflose, schlanke Gestalt in tänzerischer Pose ringt vor dem Brandenburger Tor mit einem Kabel. "AOL" heißt der Titel des Objekts und "Das Trojanische Hufeisen" der des Gedichtes: "Ein städtischer Wahrsager verrät dem Hauptstadthäuptling wann die befürchtete Parade / verkleidet als Liebesbotenfeier / durch das Tor der Stadt einfahren wird . . .". Eine Parabel auf die Berliner Love-Parade, von der sich Veranstalter und Magistrat einiges an Einnahmen versprachen. Sich aber letztlich öffentlich um die Kosten für die Beseitigung von Müll und Schäden im Tiergarten stritten.

Variatio delectat; Vielfalt macht Freude. Welcher Art auch immer die sein mag. Es kann auch danebengehen. "Wenn einer da ist, der das Nichts zum leuchten bringt und das Leuchten aber nichts bringt, dann muss es gutgeredet werden . . .", heißt eine Zeile von Çirak zum Objekt "Streifen" nach dem Maler Lothar Quinte. Der Applaus am Schluss war verhalten.

Backnanger Kreiszeitung vom 23.05.2005

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