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The Endgrad
Wie ein Tag am Meer
Aspach Ein Highlight besonderer Art fand in Professor Pröpstls Puppentheater in Aspach statt. Die preisgekrönten Saxophonisten Johannes Enders und Herwig Gradischnig präsentierten die eigens für ihre Österreich-Deutschland-Tournee in limitierter Auflage erschienene CD "The Color Of Water".
Sechs der dort veröffentlichten neun Songs sind Eigenkompositionen. Da Professor Pröpstl, alias Gregor Oehmann, ein enger Freund und ehemaliger Schüler von Johannes Enders ist, kam ein zwar kleines, aber dafür umso enthusiastischeres Publikum in den Genuss eines kulturell hochwertigen Konzerts mit internationalen Jazzgrößen der Gruppe The Endgrad.
Nach anfänglich leichten Timing- und Abstimmungsschwierigkeiten im ersten Song fand das mit Thomas Stabenow am Bass und Howard Curtis aus Washington D. C. am Schlagzeug komplettierte Quartett aber rasch in das teilweise äußerst komplexe Programm. Howard Curtis steigerte sich von Lied zu Lied, arbeitete abwechselnd mit Besen und Sticks und setzte für diese Musikrichtung überraschende Akzente mit der Bassdrum.
Bassist Thomas Stabenow, der einige Jahre in Waiblingen gelebt hatte und mittlerweile nach München umgesiedelt ist, kommentierte launig und mit trockenem Humor die Stücke.

Ein Höhepunkt im ersten Set war unter anderem das Titelstück der CD "The Color Of Water", komponiert von Johannes Enders. Ruhig, fast getragen, beginnen die Saxophone, zunächst sparsam untermalt von der Rhythmusgruppe. Bluesig angehaucht, mit eingestreuten plätschernden Kadenzen, erinnert das Werk an einen Tag am Meer. Man beobachtet das Wasser, die Wellen das wechselnde Farbspiel der See. Kleine Böen, welche die Wasseroberfläche kräuseln. Im zweiten Set sorgte eine Komposition von Herwig Gradischnig für Begeisterung: "Lili" das Lied ist seiner vierjährigen Tochter gewidmet. Eine sanfte, liebevolle, sehr emotionale Ballade.
The Endgrad leben von Kontrasten. Swingende, virtuose Nummern wechseln sich ab mit gefühlvollen Blues-Charakteristiken. Genauso gegensätzlich sind die beiden Namensgeber. Enders ist ein Fels in der Brandung. Cool, virtuos, gelassen sein Spiel wirkt frisch und beherrscht. Gradischnig, einen ganzen Kopf kleiner und einiges leichter, spielt mit Wärme, Temperament und vor allem Emotion.
Er kann nicht ruhig stehen, sein ganzer Körper ist Musik. Dieser Gegensatz schafft Spannung im positiven Sinn. Gemeinsam ist beiden Saxophonisten die scheinbar mühelose Leichtigkeit des Spiels. Das Publikum honorierte die Leistungen jedes einzelnen Musikers mit Applaus und erklatschte sich zuletzt noch eine Zugabe.
Backnanger Kreiszeitung vom 23.03.2005
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