Ein teuflischer Plan, göttliche Szenen und das Nichts
Wenn die Hexe wegen ihrer Eifersucht in eine Brezel verwandelt wird und das
Krokodil Chantal der Großmutter den Wohnraum entzieht, dann geht so einiges
schief in der Puppentheaterwelt. Das haben die Figuren Richard Oehmann und
Josef Parzefall zu verdanken, die im cje als Gäste von Professor Pröpstl alias
Gregor Oehmann ihr Stück „Verführt und entgretelt oder Das Geheimnis des
Nichts“ aufführten. Professor Pröpstl, der an diesem Abend mit seinem schwarzen
Anzug und den viel zu großen Schuhen Ähnlichkeit mit Charly Chaplin hatte,
übernahm anstelle von Dr. Döblinger die Rolle des Moderators. Erlöst wurde an
diesem Abend nicht nur die Großmutter, die von dem bösen Zauberer Eugen
Gottlieb Wurst um ihre Wohnung gebracht werden sollte und plötzlich ganz
entspannt im Nichts schwebte („Als Puppe wird man sowieso ständig manipuliert“),
sondern auch die Spezies der erwachsenen Kasperletheaterfreunde. Diese
brauchten kein Kind als Alibi (manch einer steht vor dem Problem, wo so schnell
ein Kind hernehmen?) um sich bedenkenlos und ungehemmt dem
Kasperlevergnügen hingeben zu können. Denn eingeladen waren ausdrücklich die
Erwachsenen. [..] In dem Spiel um einen teuflischen Plan gab's göttliche Szenen.
[...] Neben den handgefertigten traditionellen Kasperletheaterfiguren
beeindruckte auch ein zum Leben erweckter Pudding [...]
Und damit das Spiel zu Ende gehen konnte, schlüpfte Professor Pröpstl in eine
richtige Polizeiuniform und half, die ins Stocken geratene Geschichte zu
entwirren. So nahm die einen Abend lang dauernde Fusion von Professor Pröpstls
und Dr. Döblingers Puppentheater - der beiden Bühnen aus Strümpfelbach und
München - doch noch ein glückliches Ende. Vom nackten Nichts blieb tatsächlich
rein gar nichts mehr übrig.
Backnanger Kreiszeitung vom 24.12.1999 |