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Selim Özdogan

"Die Worte sind da, sie müssen einem nur einfallen"

Aspach Viel Spaß und lehrreiche Einblicke in die Kunst des Geschichtenschreibens gewährte der Autor Selim Özdogan Schülern der 9. Klasse in der Grund- und Hauptschule Großaspach bei einer kurzweiligen Schreibwerkstatt.

Der 1971 in Köln geborene Sohn türkischer Eltern vermittelte im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Fremd sein...", die von Professor Pröpstls Puppentheater in Zusammenarbeit mit dem Kunstverein Aspach und der Bosch-Stiftung veranstaltet wird, den Schülern an zwei Vormittagen auf interessante Weise, was beim Schreiben zu beachten ist.

Die Schüler im Alter von 14 bis 16 Jahren konzentrieren sich auf ihre Nasenlöcher. Nein, das ist keine Entspannungsübung. Sie ergründen genau, wie sie die Luft einsaugen, ob durch ein Nasenloch mehr Luft dringt, als durch das andere, und wo die Luft wieder zusammentrifft. Zweck der Übung ist es, sich ganz selbstverständliche, alltägliche Vorgänge bewusst zu machen. "Wir sehen über Dinge weg, die jeden Tag da sind", erklärt Selim Özdogan. Der Autor und Adelbert-vonChamisso-Preisträger will den Schülern vermitteln, wie wichtig es ist, Details wahrzunehmen. Das Geheimnis heißt: genau hinsehen. Das verdeutlicht er anhand einer weiteren Übung. In 30 Sekunden sollen die Jugendlichen so viele Begriffe nennen, wie ihnen zu ihrem Klassenzimmer einfallen. "Tisch, Stuhl, Tafel, Fenster...", zählen sie auf. Irgendwann ist das Repertoire erschöpft. Aber es gibt nicht nur diese Oberbegriffe. Ein Fenster hat eine Scheibe, einen Rahmen und einen Griff. Ein Stuhl hat eine Lehne, Stuhlbeine und eine Sitzfläche. Selim Özdogan will den Blick und das Wahrnehmungsvermögen der Schüler schärfen.

Selim Özdogan

"Wir können nur schreiben, was wir sehen oder wissen," erklärt er. "Die Worte sind da, sie müssen einem nur einfallen." Natürlich sollen sich die jungen Teilnehmer der Schreibwerkstatt auch im Verfassen von Texten üben. Es werden zehn Themen festgelegt, wie beispielsweise "Verlust", "Liebe", oder "Die Wichtigkeit des Lebens." Die Geschichten fallen sehr unterschiedlich aus. Da geht es um den Verlust einer Münze, die Opa so sehr geliebt hat, oder um das Verlieren eines Geldbeutels, aber auch um sehr tragische Verluste, wie den Tod der Mutter durch einen Autounfall. Während einige Schüler ihre Texte schon zu Ende geschrieben haben, sind andere noch beschäftigt. Özdogan sorgt dafür, dass keine Langeweile aufkommt. Mit denen, die schon fertig sind, macht er Wortfindungsspiele und Worträtsel. Die Schüler sind mit Interesse und Spaß bei der Sache. Dann werden die Texte besprochen. Der Autor macht Verbesserungsvorschläge. Was hätte man anders machen können? Was fehlt oder ist überflüssig? Sind die Begriffe wirklich treffend? Ist die Handlung schlüssig? Die Teilnehmer schreiben eine zweite Version unter Berücksichtigung der Verbesserungsvorschläge, und die meisten sind mit ihrer Geschichte sehr zufrieden. Die Urteile der Schüler am Ende der Schreibwerkstatt waren durchweg positiv. "Wir haben viel gelernt und es hat großen Spaß gemacht", drückt es eine Schülerin aus. Am liebsten hätten die Jugendlichen die Schreibwerkstatt noch länger fortgesetzt.

Der Autor Selim Özdogan hielt außerdem Lesungen in Professor Pröpstls Puppentheater im ehemaligen "Löwen" in Großaspach und in der Max-Eyth-Realschule und der Tausschule in Backnang.

Backnanger Kreiszeitung vom 19.05.2005

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