Von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt: Show der Extraklasse
Der Konkursbuch-Verlag Tübingen präsentierte das Programm "Love Bites".
Aspach Sinnliches, Humorvolles und Unterhaltsames wurde bei der "Erotischen Nacht" in Professor Pröpstls Puppentheater geboten. Ein Abend mit Livemusik, Tanzshow, Lesungen mit Autorinnen, die in puncto Liebesleben und Erotik kein Blatt vor den Mund nehmen, und erotischer Performance der Extraklasse.
Professor Pröpstls Puppentheater ist voll besetzt. Ein Abend für alle Sinne, war angekündigt worden, erotische Literatur, eingebettet in sinnliche Showelemente. Claudia Gehrke, Konkursbuch- Verlegerin und Herausgeberin des Jahrbuchs "Mein heimliches Auge", führt durch das Programm. Musikalisch stimmt das Duo Caprice mit Gitarre und Geige das Publikum auf den Abend ein. Bekannte Liebeslieder wie "Nur nicht aus Liebe weinen", oder "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt" werden mal fetzig, mal melancholisch instrumental interpretiert. Dann geht es zur Sache. Es geht um das Thema Sex.
Was Sigrun Casper in ihrem Roman "Bleib, Vogel" zu diesem Thema zu sagen hat, überrascht zunächst und macht doch neugierig. "Die Japaner machen es mit Stühlen", beginnt die Autorin ihre Lesung. In der Textpassage geht es um das Thema: "Es machen." Auf äußerst amüsante Weise beschreibt die Autorin die Gedankengänge einer 11-Jährigen, die sich mit dieser Frage auseinander setzt.
Zwar weiß das Mädchen nicht so genau, was "Es machen" eigentlich bedeutet. Ein großes Geheimnis liegt über diesem Begriff. Aber sie ist sich sicher, wenn sie groß ist, wird sie es auch mal machen. Natürlich bleibt es im Verlauf des Romans nicht bei dieser kindlich, naiven Darstellungsweise. "Bleib, Vogel" ist ein erotischer Roman. Sigrun Casper beschreibt in ihrem nächsten Textausschnitt erotische Fantasien und Erlebnisse, aber sie bleibt dem humorvollen Stil treu.

Vor der nächsten Lesung erotischer Literatur wird dem Publikum etwas fürs Auge geboten. Die Körperkünstlerin Anelia präsentiert in einem durchsichtigen Hauch von weißem Stoff eine Tanzeinlage. Ein wenig Erstaunen ist in den Gesichtern der Zuschauer schon zu sehen, als das kurze Kleid bei den Drehungen nach oben schwebt und für Sekunden nackte Tatsachen zu sehen sind. Da hat man den Eindruck, dass das Publikum sich nicht an dem Tanz ergötzt, sondern gespannt auf die nächste Drehung wartet. Von optischen Reizen zu den vielseitigen Formen der Liebe. Die nächste Autorin, Regina Nössler, beschreibt in "Dienstagsgefühle" die langjährige Beziehung zu ihrer Freundin Frederike. Eines Dienstagmorgens wacht sie auf und die Frau neben ihr im Bett ist
ihr plötzlich fremd Weniger um Liebe als um Sex geht es in Claudia Wessels erotischem Roman "Affäre", der von einer Beziehung zu einem verheirateten Mann handelt. Sehr direkt und unverkrampft formuliert Claudia Wessel die Einzelheiten des Liebesspiels, ihre eigenen Bedürfnisse und Enttäuschungen. Eine Autorin, die in Sachen Erotik kein Blatt vor den Mund nimmt.
Zwischen den Lesungen wird Performance der Extraklasse geboten. Bridge Markland ist eine Verwandlungskünstlerin und eine Meisterin des Mienenspiels. Aus der Diva im Glitzerabendkleid mit langer rothaariger Mähne wird im Handumdrehen eine glatzköpfige, halb nackte Trashqueen. Die Bekleidung ihres Oberkörpers besteht nur noch aus gekreuzten Klebestreifen. Perücke und BH schwenkt sie in den Händen. Ihre erotisch anmutenden Bewegungen sind robotergleich, der Blick starr, die Mimik lüstern.
Ohrenbetäubend laute Musik setzt ein. Die Performance-Künstlerin tobt wie wild durch den Raum. Dem einen Zuschauer krault sie das Ohr, dem anderen setzt sie sich mit eindeutigen, sexuellen Bewegungen auf den Schoß, ihren kahlrasierten Schädel reibt sie mit diabolischem Grinsen an männlichen Glatzen. Die von ihr Auserwählten sind wohl etwas irritiert, aber das Publikum ist begeistert. "Voll abgespaced" charakterisiert ein Zuschauer die Performance. Eine Lesung mit erotischer Show, die wirklich ein Erlebnis für alle Sinne ist.
Backnanger Kreiszeitung vom 08.11.2005
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