
Bluesige Stimme und dem Publikum ganz nah
ASPACH. Sängerin und Songwriterin Rachelle van Zanten gastierte mit ihrem Soloprogramm in Professor Pröpstls Puppentheater. Die aus British Columbia stammende Kanadierin hat sich ganz der Tradition des Blues und Country-Rock verschrieben. Sich selbst auf der Gitarre begleitend interpretiert sie Songs unter anderem von Hank Williams Sr. („Lonesome Blues“), Johnny Cash („I still miss someone“ – Big River-Lieder, die sie schon in ihrer Kindheit begleiteten), Tom Waits („Hold on“), Neil Young („Pocahontas“) und ihrem größten Vorbild Led Zeppelin („In my time of dying“).
Ihre eigenen Texte sind zum Teil politisch engagiert; so prangert sie zum Beispiel die Umweltausbeutung durch internationale Ölkonzerne an. Naturverbundenheit wirkt bei der „im Busch“ wohnenden Dreiunddreißigjährigen authentisch. Authentisch wirken auch ihre bluesige Stimme – deren schönes Timbre allerdings nur zurückhaltend zur Entfaltung gebracht wurde – und ihr beachtliches (Slide-)Gitarrenspiel, bei dem sie Klangvolumen, rhythmische Akzentuierung und präzise Intonation erreicht. Authentisch auch ihr sympathisches Bühnenauftreten, bei dem sie in Jeansrock und Lederstiefeln locker mit dem Publikum prostet, erzählt, scherzt und ihre deutschen Lieblingswörter „Scheiße“ und „Schnittmenge“ preisgibt. Im Saal herrschte lauschige, bluesige Atmosphäre – Roots-Stimmung, in der auch das erste Album „Back to François“ mitschwingt, während das neueste in England geschriebene „Where your garden grows“ eher rockig anmutet. Dass beide Alben gut verkauft wurden, spricht für die Zufriedenheit der Zuhörer. Über Toronto und Schweden nach Deutschland gekommen tourt Rachelle van Zanten nun weiter in der Bundesrepublik, bevor sie Mitte Juni über England wieder zurück in ihre Heimat fliegt, um dort ihren Sommerjob auszuführen, der sie schwere Wassertanks zu großen Naturbränden fahren lässt. Ein netter, spontan organisierter Überraschungsbesuch in Professor Pröpstls Puppentheater.
Backnanger Kreiszeitung vom 17.05.2010
