Perfekter Trio-Gesamtklang

ASPACH. Zum nunmehr fünften Mal konnte Professor Pröpstls Puppentheater den renommierten Jazzsaxofonisten Johannes Enders verpflichten – diesmal mit seinem neuen Projekt Obscure Rhythm. Zusammen mit Bassist Ed Howard (NY) und Schlagzeuger Sebastian Merk (Berlin) eröffnete der Weilheimer das Konzert mit Duke Ellingtons Coaltrain-Blues. Ein Auftakt, der sofort die vielversprechenden spielerischen Qualitäten der hochkarätigen Musiker klarmachte. Die Zuhörer wurden im gekonnten Konzertaufbau durch die musikalischen Ideen des Bandleaders geleitet, von dem das Trio sowohl jüngste Kompositionen (zum Beispiel ein am Vorvorabend geschriebenes Stück im Bossa-Nova-Stil), wie auch ältere Werke (etwa eine gelungene konzentrierte Triofassung von „The Essence of a Day“, Ersttitel der CD „Enders Dome“ von 2007) zu Gehör brachte. Die ausgesprochenen Klang-, Intonations-, Fingertechnik-, Metrik- und Zusammenspielkompetenzen der einzelnen Musiker führten abwechselnd durch perfekten Trio-Gesamtklang über lineare Chorusgestaltung und rhythmisch-harmonische Dialoge zu musikalischem Hochgenuss.

Das dankbare Publikum wurde mit einer „tide“ groovenden Zugabe belohnt, auf die zur Krönung des Abends auf Wunsch der Musiker und Zuschauer noch ein kurzes vom Veranstalter höchstpersönlich gespieltes Kasperltheater folgte. Professor Pröpstl (alias Gregor Oehmann) verstand es, die aufgeladene Energie des Saales zu bündeln und humorvoll zu pointieren, und Enders durfte sich an der Gummiquietschbanane als begabter Assistent im wahrsten Sinne des Wortes entpuppen. In einer für den Veranstaltungsort so bezeichnenden gemütlichen und interkommunikativen Atmosphäre, in der dem Publikum der persönliche Kontakt zu den Künstlern ermöglicht wird, klang der Abend aus. Auf die Tour des Trios wird eine Tonaufnahme in München folgen – eine CD, auf die sich Jazzliebhaber freuen können.

Backnanger Kreiszeitung vom 15.03.2010