Witz, Ironie und kompositorische Fantasie


Mit4spiel5 überzeugte in Professor Pröpstls Puppentheater Jazzkenner und solche, die es vielleicht erst noch werden.


Von Monika Degner

ASPACH. Das groovte und führte – musikalisch natürlich – Gespräche und Debatten zwischen unterschiedlichen Formensprachen. Das war poetisch oder insistierend, wiederholte sich oder überraschte plötzlich mit quergebürsteten Einfällen und scheute sich nicht, fröhlich mit Lautmalereien zu arbeiten. Zwischen diesen Koordinaten etwa bewegte sich das Konzert der Jazzformation Mit4spiel5, die Professor Pröpstls schnurriges Puppentheater in Aspach aus der Märchenstunde aufweckte.
„Ich find ja Jazz irgendwie nicht so toll“, nörgelte die Handpuppe Prinz Jochen zu Beginn des Konzerts mit der Stimme ihres Spielers und Bildners Gregor Oehmann. Aber das war kokett, vielmehr nur Rollenspiel. Denn Oehmann alias Professor Pröpstl mag Jazz natürlich, und es ist erstaunlich, dass es dem Puppenspieler und Bildhauer immer wieder gelingt, echte Könner- Gruppen wie Mit4spiel5 in sein kleines, nonkonformistisches Theater zu holen.
Skatfreunde ahnen zumindest ein Stück weit, wie der sinnig verklausulierte Gruppenname zu verstehen ist: Mit4, das sind die vier Buben im Skatspiel und analog also die vier „Buben“ der Jazzformation, sprich Saxofonist Stefan Koschitzki, Gitarrist Fabiano Pereira, Martin Meixner an der Hammond-Orgel und Jan Philipp Wiesmann, der Schlagzeuger des Quartetts. Spiel5 aber nennen sie sich, weil der virtuose Meixner mit der linken Hand zusätzlich noch den Moog-Synthesizer bedient. Die Vier spielen für fünf, das ist des Rätsels Lösung! Wobei man sich, um das Bild des Gruppennamens weiter auszumalen, Pereira zum Beispiel in der Position des Pik-Buben vorstellen könnte. Pereira, vielleicht der Intellektuelle der Gruppe, spielte eine nachdenkliche, reflektierende Gitarre, Klangfolgen gaben sich so bewusst und klar wie eine Ziffernreihe. Meixner könnte man ihm alsdann als Herz-Buben gegenüber stellen. Sein emotional hochbeteiligtes Spiel ließ sich auch an Mimik und Körpersprache ablesen. Der Hammond-Orgel-Mann mit der anglophilen Kappe ist außerdem der Autor der vielleicht ungewöhnlichsten Jazz-Stücke des Abends. Es sei eine Spezialität Meixners, erläutert Pereira, den Wortsinn eines Titels, einer Geschichte, eines „Programms“ also, in die Musik umzusetzen.
Nach der Pause ließ sich dies überprüfen. Jetzt spielte die Formation jene Titel, die sie in anderthalb Wochen beim renommierten Jazz-Wettbewerb in Hoeilaart, Nähe Brüssel, vorstellen wird (unter vielen internationalen Bewerbern klassifizierte sich Mit4spiel5 für das Finale aus nur sechs Mitbewerbern). Meixners „Programmmusik“ entpuppte sich als eigenwilliges, aus Witz, Ironie und kompositorischer Fantasie hervorgegangenes Werk: „Vor oder zurück“, das Stück entstand angeblich beim Einparken. „Wespenjagd im Schlafzimmer“, interpretiert unter anderem mit dem allgemein nur selten eingesetzten E-Saxofon, entfaltete geradezu einen lautmalerischen Zoo, war aber weit davon entfernt, platt auf Nachahmung zu machen. Die Kompositionen der anderen Bandmitglieder mussten sich auch nicht verstecken. Weder Parrandos „Vom Regen in die Traufe“, hier steht der Titel in Bezug zum Leben des Komponisten, aber nicht zur Musik, noch Koschitzkis „I remember Jürgen Klinsmann“ mit seinem brasilianischen Touch. Klangfülle, Einfallsreichtum und nicht nachlassende Spannung kennzeichneten das Konzert durchgängig. „Das ist kein Weizenbierjazz“, bemerkte einer derZuhörer. Die Gruppe spielte gut aufeinander abgestimmt und wurde ihrem Markenattribut, groovig und poetisch zu sein, vollständig gerecht. Jan Philipp Wiesmann, der Backnanger Schlagzeuger, dessen Spiel so unangestrengt wie kompetent wirkte, fasste es zusammen: Man wolle keinen elitären, „intellektuellen Jazz“ machen, sondern auch unterhalten – aber anspruchsvoll.

 


BKZ 23.09.2009