
Authentisch-frische Musik, bescheiden-humorvolle Interpreten
Traditionelle irische Klänge mit Malachy Bourke, Brian Bourke und Tony O’Connell in Professor Pröpstls Puppentheater
ASPACH. Ein schon fast zur Tradition gewordenes Konzert mit traditioneller irischer Musik fand in Großaspach statt: Professor Pröpstl (alias Gregor Oehmann) engagierte seinen irischen Halbbruder Malachy Bourke (fiddle), der mit ihrem Vater, Brian Bourke (bodhran) sowie einem seiner Freunde, Tony O’Connell (concertina), extra aus Irland eingeflogen war, um in Baden-Württemberg dreimal dem hiesigen Publikum die reinste Form von Irish Folk darzubieten.
Unverstärkt und in einer fast an ein Irish Pub erinnernden Atmosphäre eröffnete der 34-jährige Fidelspieler den musikalischen Abend mit einem Jig – eine der vielen verschiedenen irischen Tanzarten. Nach dem Einsatz des 74 Jahre alten Brian Bourke an der Rahmentrommel gab das Vater-Sohn-Duo eine Reihung schnellerer Tänze – Reels genannt – zum Besten. Direkt im Anschluss konnte man eine aus Polen stammende Mazurka mit ihrem abwechslungsreichen Taktschema genießen, bei deren Vortrag der mitteleuropäische Einfluss auf die irische Musik deutlich wurde. Das letzte „Familien-Reel-Set“ wurde vom Veranstalter durch eine kleine Anekdote ergänzt, die an einen Schmetterlingsflug erinnernde vibrierende Spielweise von einem im Raum verirrten „butterfly“ buchstäblich verkörpert. Es folgte ein Jig von O’Carolan (18. Jahrhundert). Nach einer schön interpretierten rhythmisch reichen Violineinleitung gesellte sich die Concertina dazu, gefolgt von der tempobeschleunigenden Bodhran. Das Triospiel schien in endlos rhythmischen und melodiösen Themenschleifen zu kulminieren. Das Ganze in einer so durchsichtigen Klarheit, dass selbst der Schmetterling vor der Lebendigkeit der Musiker den Platz räumte, den der 33-jährige O’Connell wiederum mit wunderbar virtuosem und feinem Solo-Concertina-Spiel ausfüllte. Dieser brachte einige metrisch präzis gespielte und schön akzentuierte Reels, ein mit Vibrato gestaltetes Slow Air (ein Klagelied aus der Zeit der Hungersnot), nordirische Slides von J. J. Hartnatt und – zusammen mit Brian Bourke – Slides aus der südwestirischen Berggegend Sleve Luchra zu Gehör. Nach der Pause ging es weiter mit lebhaften Tänzen, hornpipes und barndances – unter anderem von Frankie Gavin und Ben Lennon, beides Inspirationsquellen und Förderer von Malachy Bourke. Es folgte ein komisches Zwischenspiel mit Publikums-Dudelsack-Gesang. Den Abschluss bildete eine Reihe Jigs, bei denen Geige und Concertina sich gleichsam umkreisen, spielend inspiriert, mal unisono, mal parallel zweistimmig, immer prickelnd energiegeladen umherflatternd. Als Zugabe hörte man einen bairischen Ländler als Geigensolo und eine im Trio vorgetragene sehr schnelle Polka.
Alle Darbietungen wurden mit begeistertem Applaus belohnt, man konnte abwechselnd andächtiges Lauschen, zufriedenes Schmunzeln und lachende Gesichter wahrnehmen – eine Stimmung, die sowohl von der authentischenfrischen Musik, wie auch von den bescheiden-genialen humorvollen irischen Persönlichkeiten herrührte. Letztere waren dankbar für ein aufmerksam zuhörendes Publikum, ein solches scheint wohl in den Pubs von Dublin auszusterben. Für die Zuspätgekommenen gab es in familiärer Runde eine freie Jamsession der Künstler, die – falls es die Vulkanwolke zulässt – kurz nach dem Konzert in ihre irische Heimat zurückkehren wollten.
Backnanger Kreizeitung vom 21.04.2010
