
Eine schrullige Alte und die Berliner Tänzerin
Aspach – Erotische Fantasien und prickelnde Tänze im Eva-Kostüm. Bereits zum dritten Mal wurden in Professor Pröpstls Puppentheater „Liebesbisse“ präsentiert. Der Konkursbuch Verlag Tübingen veranstaltete eine Erotische Nacht mit Lesungen rund ums Thema Sinnlichkeit, bei denen es auch so manches zu schmunzeln gab. Für Lacher sorgte die ganz und gar unerotische Klofrau Klär Grube im diesjährigen Programm „Love Bites“.
VON CLAUDIA ACKERMANN
Proppenvoll war es wieder bei der Erotischen Nacht im ehemaligen „Löwen“ in Großaspach. Schon im Eingangsbereich wurden die Besucher von dem Künstler Ichgola Androgyn in der Rolle der Klofrau Klär Grube begrüßt. Mit Erotik hat die schrullige, strickende Alte mit grauer Perücke, Kittelschürze und Pantoffeln zwar nichts zu tun, aber das Publikum wurde schon mal darauf eingestimmt, dass es sich bei „Love Bites“ um ein Programm mit viel Humor handelt. Neues und Altbewährtes wurde den Zuschauern geboten. Wieder dabei die Autorin Sigrun Casper, die einen Ausschnitt aus ihrem Buch „Bleib, Vogel“ las, in dem es auf sehr humorvolle Weise um das Thema „Es machen“ geht, über das sich eine 11-Jährige den Kopf zerbricht. Ganz klar ist ihr nicht, was sich hinter diesem großen Geheimnis verbirgt. Nicht explizit auf Sex bezogen, sondern eher poetisch ist die Passage „Himmel der Möglichkeiten“, die Sigrun Casper ferner las. Sie handelt von der Begegnung eines Mannes und einer Frau im Fahrstuhl eines Kurhotels. Nur Blicke verbinden die beiden, hinter denen sich Wünsche und Sehnsüchte verbergen, die die Autorin hinreißend in Worte fasst.
So richtig zur Sache geht es in Regina Nösslers Texten, die von Konkursbuch-Verlegerin Claudia Gehrke vorgetragen wurden. Im Buch „Wie Elvira ihre Sexkrise verlor“ wird kein Blatt vor den Mund genommen, wenn es darum geht, was sich zwischen zwei Frauen auf der Toilette eines Zuges abspielt. Eine Autorin, die Dinge ohne Umschweife beim Namen nennt.
Erotisches wechselte sich mit Humorvollem und auch Besinnlichem ab. Musikalische Einlagen bot Rainer Kirchmann am Piano mit poetischen Liedern über die Beziehung zwischen Mann und Frau. Für optische Reize sorgte Tänzerin Nina von der kleinen Nachtrevue Berlin. Spärlich bekleidet im Bananenröckchen tanzte sie über die Bühne, oder ließ, anfangs umhüllt mit einem Hauch von Tuch, für Momente teilweise oder auch komplett die Hüllen fallen. Anmutig bewegte sich die Tänzerin mit völliger Selbstverständlichkeit im Eva-Kostüm. Für Lacher sorgte zwischendurch Klofrau Kläre Grube. Auch hier gab es nackte Haut zu sehen. Allerdings nur ein Bein, das der Komiker aus dem Stützstrumpf pellte, um sich auf der Bühne die Hornhaut am Fuß abzuschaben. „Seniorenkoks“ nannte er das unappetitliche Resultat, das er einer Zuschauerin anbot. Zum Thema Erotik hatte auch Kläre Grube etwas beizutragen. In dem Lied „Schüler-Lolita“ geht es um Erfahrungen aus der Jugend der Klofrau. Herrlich auch die Parodie zu Ministerin Ulla Schmidt mit Vorschlägen zur Gesundheitsreform auf die Melodie von „Auf der schwäb’schen Eisenbahn“, und das Publikum stimmte kräftig in den Refrain ein: „Ulla, Ulla, Ullala...“
Zum Abschluss des kurzweiligen Programms gab’s noch Ausschnitte aus der Textsammlung „Mein heimliches Auge“, bei denen Beiträge über das Thema „Erotische Pannen“ gelesen wurden. Dem Publikum und den Mitwirkenden hat die Erotische Nacht wieder viel Spaß gemacht. Sigrun Casper sprach ganz begeistert von Professor Pröpstls Puppentheater als „hinreißendem Veranstaltungsort“. Gerne werden sie nächstes Jahr wiederkommen, kündigte Claudia Gehrke an, was das Publikum mit kräftigem Applaus aufnahm.
Backnanger Kreiszeitung 05.12.2007
