
Spannende Dynamik
ASPACH (cv). La Banda di Palermo gastierten in Professor Pröpstls Puppentheater in Großaspach – dabei handelte es sich um eine Veranstaltung, die auf einem künstlerisch hochwertigen Konzept basiert und sich als echte Kuriosität erwies.
Die in Straßenkleidern auftretenden vier Musiker aus Sizilien bedienten zunächst die nahe liegendste Erwartung von lokaler internationaler Folklore- und Stimmungsmusik, die das Publikum in den hinteren Reihen unmittelbar zum Tanz und bald darauf auch die sitzende Hörerschaft zum „Stuhlwippen“ anregte. Die teilweise an Zigeunermusik erinnernden Stücke in Walzer- oder akzentuierten Binärrhythmen standen im Wechsel mit stimmungsvoller, zum Teil äußerst kafkaesker Theatermusik. Das Ganze in immer variierten Besetzungen: So konnte man mal die komplette „Banda“ energiegeladen mit Sängerin alias Trompeterin erleben, dann ein a cappella vorgetragenes Männergesangsduett, dessen Interpreten gleich darauf auf einem selbst konstruierten Rohrsaxofon, begleitet durch Akkordeon, ein lyrisches Klanggebilde erzeugten. Vor allem aber verliehen die reinen Sprecheinlagen dem gesamten Konzert eine äußerst spannende Dynamik: Die deutschen Übersetzungen des russischen Autors Daniil Charms wurden theatralisch aber unpathetisch rezitiert und ihr skurril morbider Humor erreichte die Zuhörer auf direktestem Wege. Auch die durch Eigenkompositionen instrumentierten in englisch, französisch und italienisch vorgetragenen Texte wurden im Laufe des Konzerts wort- oder sinngemäß von Bandleader Giacco Pojero übersetzt.
Mit der Erfüllung von Publikumswünschen („Der Mathematiker“ und „Der Prinz“ auf italienisch) beendeten die Palermer eine durchweg abwechslungsreich lebendig prickelnde Vorstellung.
Backnanger Kreiszeitung vom 15.03.2010
