Das bewegende Geständnis eines Mörders

 Aspach – Sirhan, der bei einem „Fleischbaron“ im Rheinland die Möglichkeit bekommen hatte, islamisch zu schächten, „bringt seinen Arbeitgeber um, es ist kein normaler Mensch“, sagt Hussain Al-Mozany zu seinem Buch „Das Geständnis des Fleischhauers“. Bei der Lesung in Professor Pröpstls Puppentheater in Großaspach erfahren die Besucher vieles über Grenzgänger zwischen den Kulturen. Denn auch
der 1954 geborene Autor selbst stammt aus dem irakischen Amarah und wuchs in Bagdad auf. Aus politischen Gründen ging er 1978 in den Libanon. Über die Stationen Türkei, Bulgarien, damalige Tschechoslowakei und DDR kam er schließlich im Sommer 1980 nach Westberlin.
 
VON INGRID KNACK
 
Die Lebensgeschichte des Schriftstellers, Übersetzers und Journalisten ist so interessant, dass allein diese Erzählungen Stoff genug wären für eine Abendveranstaltung. Doch es geht ja um
den Roman, um das Psychogramm eines entwurzelten Menschen, der zum Mörder wird und dann ein Geständnis ablegt. „Mir, der ich bald aus freien Stücken aus dieser Welt scheiden werde, kommt die Aufgabe zu, die wahren Beweggründe offenzulegen“, sagt der Protagonist ganz am Anfang. 

In dem Roman werden Themen wie eine allmählich unheimlich werdende Verdeutschung, die Sirhan abschütteln möchte, Exil, Identität, Missverständisse, Zwänge und kulturelle Muster angesprochen. Alles fing ganz harmlos an, „doch es kam anders, völlig anders.“ Von
Köln fliegt Sirhan nach Ägypten, gleich bei der Passkontrolle geht es um die Identität. „Ein blonder junger Mann näherte sich mir und sprach mich mit syrischem Akzent an: ,Bruder, kommen Sie gerade aus Deutschland? Sie sind Syrer, nicht wahr?’ Ich antwortete ihm nicht, weil ich fürchtete, in eine heikle Verstrickung zu geraten, spräche ich nur ein einziges arabisches Wort. Trotzdem brachte mich der junge Syrer auf eine nützliche Idee. Warum behauptete ich eigentlich nicht, ich sei syrischer oder noch besser libanesischer Herkunft? Keine schlechte Vorstellung, aber was würde passieren, wenn die Sicherheitsbeamten mich nach der Hisbollah fragten?“ In Ägypten wird Sirhan von der Geheimpolizei beobachtet, doch man kann ihn nicht festnehmen, er ist ja deutscher Staatsbürger. Dann kommen die Wahnvorstellungen. Zurück in Köln geschieht der Mord. Eine Geschichte, in die es sich hineinzuvertiefen lohnt.

Backnanger Kreiszeitung 18.02.2009