Endlos ineinander verwobene Melodien
Aspach. Was erwarten Freunde der grünen Insel von einem gelungenen Konzertabend? Sie möchten unterhalten werden, sich entspannen, bei Musik ein Guinness genießen. Diese Stimmung fiddelten, trommelten und sangen die Musiker von Bourke & Dwyer herbei mit handgemachten, traditionellen Songs, wie sie in irischen Pubs zwischen Dingle, Galway, Connemara und Donegal zu hören sind.
"This is a song from County Derry", kündigt Malachy Bourke ein Stück an, "just a simple song, a little bit bitchy", ergänzt er schelmisch. Ein einfaches Lied, das aber schön anzuhören ist, vor allem, wenn man die komplexe und äußerst schwierige Handarbeit betrachtet, die hinter dem leichtfüßig daherkommenden Klang steckt.
Mit seiner Fiddel ist Malachy Bourke immer wieder die anschiebende Kraft in diesem feinen musikalischen Kräftespiel, zu dem sich vier irische Musiker in Professor Pröpstls Puppentheater versammelt haben: Neben Malachy Bourke sind dies Donnacha Dwyer an den Uilleann Pipes, der irischen Version des Dudelsacks; ferner Folksänger Desmond Cahalan sowie Brian Bourke, Vater von Malachy und rhythmisches Fundament des Ensembles. Brians Metier ist die Bodhran, die irische Handtrommel. Brian Bourke ist eins mit dem Holzklöppel, den er souverän und mit geschlossenen Augen schlägt: Ein leises Klackern, ein klopfendes Abtasten der Trommelhaut - großartig.
Die Musiker spielen in wechselnden Konstellationen: Mal geben Vater und Sohn ein Zweier-Stelldichein aus Fiddel und Bodhran, mal paaren sich Gitarre und Gesang mit Dudelsack. Die Instrumente scheinen in jeder Variante füreinander bestimmt und bringen jenen für traditionellen irischen Folk charakteristischen Sehnsuchts-Sound hervor, der auch in heiteren Passagen immer ein wenig nach Abschied und Verlassenwerden klingt.
Gespenstisch, wehmütig und melancholisch treffen Bourke & Dwyer den Ton der Geschichten, die sie erzählen. Geschichten von tragischer Sehnsucht und erfüllter Liebe, von Kriegen, Schlachten und Travestie. Die Musik: Geeignet zum Absacken und Zurücklehnen, wie es in gemütlichen irischen Pubs so gerne getan wird. Kuschelig, eng, klein und voller Menschen ist es auch in der guten Stube bei Gregor Oehmann. Das Tresenpersonal schenkt stilgerecht Guinness aus Flaschen aus: beste Voraussetzungen für einen irischen Pub-Abend also.
Wie Troubadoure wirken die Musiker, die mit den Stimmen ihrer Instrumente auf kleinen Bühnen überall in der Welt wie auch in schummrigen Kneipenecken neben einem typischen irischen Torfofen ihre Lieder singen: Ein gekonntes Hin- und Herwabern von Klängen, endlos ineinander verwobene und verschlungene Melodien wie die endlosen Theken Irlands. Wie Botschafter keltischer Musik treten sie auf, die auf ihren musikalischen Streifzügen stets eine Spur irischer Lebensart hinter sich herziehen wie Flugzeuge den Himmel mit weißen Schnüren überziehen.
Während Desmond Cahalan mit der akustischen Gitarre Schwereloses verbreitet, pumpt Donnacha Dwyer mit den Ellenbogen die Blasebalge seiner Bag Pipe auf und kurbelt den unverkennbaren Dudelsack-Sound an. Die Musiker bedienen sich traditioneller Wurzeln, holen aber auch innovative Einsprengsel aus ihren Tasten, Saiten und Basspfeifen. Desmond Cahalan, nie um eine kleine Geschichte, um eine schwarzhumorige Bissigkeit verlegen, hat ein spannendes Zittern in der Stimme, wenn er die Gitarre beiseite stellt und einen rhythmischen A-cappella-Gesang anstimmt. Dazu die irische gälische Sprache: Fremd, aus der Zeit gefallen, altertümlich, mit langen Vokalen. Für sie sei es etwas Besonderes, einmal nicht gegen den Pub-Geräuschpegel im Cobblestone anzuspielen, einem berühmten Pub für traditionelle irische Musik in Dublin, in dem der junge Malachy Bourke regelmäßig zu hören ist. "Die Feinheiten der Musik konzertant zu präsentieren ist für uns alle etwas Neues", sagt er.
Backnanger Kreiszeitung vom 04.10.2006
